Marais in Paris

Der Marais ist ein Stadtteil von Paris. Mit seiner charmanten Atmosphäre gehört das Viertel zu den beliebtesten Ausflugszielen der französischen Hauptstadt.
Marais Paris
Das Marais-Viertel in Paris ( © Paris Tourist Office - Photographe : © Studio TTG )

Quartier du Marais

Die Bezeichnung Marais bedeutet in deutscher Übersetzung „Sumpf“. So handelte es sich beim Marais lange Zeit um ein Sumpfgebiet, das sich außerhalb von Paris befand.

In der heutigen Zeit liegt das Quartier du Marais sowohl im 3. als auch im 4. Stadtbezirk der französischen Metropole.

Es ist am rechten Seineufer östlich vom Centre Georges Pompidou zu finden. Dabei ist es zwischen der Place de la Bastille sowie der Place de la République angesiedelt.

Die Grenzen des Marais bilden die Rue du Renard im Westen, der Boulevard Beaumarchais auf der Ostseite, die Rue de Bretagne und die Rue Réaumur im Norden sowie die Rue Beaubourg und die Seine im Süden.

Merkmale des Marais

Der Marais ist eines der ältesten Viertel von Paris und noch immer gut erhalten. Sogar die Modernisierungen des Städteplaners Georges-Eugène Haussmann (1809-1891) hat der sogenannte Sumpf gut überstanden.

Aufgrund seiner verwinkelten Straßen sowie deren Verlauf, der oft an das Mittelalter erinnert, wird das Quartier du Marais als leicht versnobtes Dorf eingestuft.

Darüber hinaus bildet der Marais den Mittelpunkt jüdischen Lebens in der französischen Hauptstadt. So siedelten sich bereits seit dem 13. Jahrhundert Juden aus Ost- und Westeuropa in dem Viertel an.

Geführte Touren durch das Marais-Viertel

Sehenswürdigkeiten im Marais

Das Quartier du Marais zählt zu den touristischen Vierteln der Stadt, sodass die Geschäfte auch am Sonntag geöffnet sind.

Neben den zahlreichen Einkaufsmöglichkeiten bietet es auch verschiedene Sehenswürdigkeiten:

Hôtel de Ville

Das Hôtel de Ville dient als Rathaus von Paris. Es verfügt über eine detaillierte Außenfassade und punktet mit seiner imposanten Größe.

Besucher können in dem Gebäude kostenlose Ausstellungen zu interessanten Pariser Themen besuchen.

Musée Carnavelet

Einen Abstecher wert ist das Pariser Stadtmuseum Carnavelet. Das Museum befindet sich in der Rue de Sévigné Nr. 23. Es befasst sich mit der Pariser Stadtgeschichte von ihren Ursprüngen bis in die Gegenwart.

Das Musée Carnavelet beherbergt u. a. Exponate, die aus der Zeit vor dem römischen Imperium stammen, sowie die Einbäume von Bercy. Weitere sehenswerte Stücke sind Stadtbilder aus dem 17. Jahrhundert, gotische Skulpturen sowie die Uhrensammlung.

Place des Vosges

Zu den ältesten und zugleich schönsten Plätzen der französischen Metropole gehört der Place des Vosges (Platz der Vogesen).

Er entstand zwischen 1605 und 1612 auf Anordnung von König Heinrich IV. (1553-1610) und diente als erster städtischer Platz von Paris.

Er wurde in der Form eines Quadrats angelegt und ist auf sämtlichen vier Seiten einheitlich errichtet.

In der heutigen Zeit befinden sich auf dem Place des Vosges zahlreiche Hotels, Kunstgalerien und Modeateliers.

Das Victor-Hugo-Museum

Der Place des Vosges verfügt über mehrere Stadtpaläste. In einem davon befindet sich das Victor-Hugo-Museum.

Der berühmte französische Schriftsteller (1802-1885) verbrachte mit seiner Familie die Jahre 1832 bis 1848 in diesem Haus und schuf dort zum Teil einige seiner berühmten Werke wie zum Beispiel „Les Miserables“.

Das Museum entstand im Jahr 1902 zu Victor Hugos 100. Geburtstag.

Centre Georges Pompidou

Ein weiteres hochinteressantes Museum stellt das Centre Georges Pompidou dar. So befasst es sich mit moderner Kunst und Kultur.

Es entstand in den 70er-Jahren auf Anregung des damaligen französischen Präsidenten Georges Pompidou (1911-1974).

Neben dem Museum sind außerdem ein Restaurant, eine Bibliothek sowie ein Kino in dem Gebäude untergebracht.

Vom obersten Stockwerk aus lässt sich ein wunderbarer Ausblick auf Paris genießen.

Saint-Paul-Saint-Louis

Ein bewundernswertes sakrales Bauwerk im Marais stellt die Kirche Saint-Paul-Saint-Louis dar.

Die Pfarrkirche wurde zwischen 1627 und 1641 im Stil der Jesuitenkirchen errichtet. Kardinal Richelieu persönlich weihte das Gotteshaus ein.

Zu den sehenswerten Attraktionen der Kirche gehören eine Pietà des Bildhauers Pilon sowie ein Gemälde von Eugène Delacroix.

Institut suédois

In einem alten Stadtpalast untergebracht ist das Institut suédois, in dem regelmäßig Ausstellungen zu verschiedenen Themen stattfinden.

Als besondere Attraktion gilt jedoch das kleine Café des Gebäudes. Zu dessen Angeboten gehören u. a. delikate schwedische Spezialitäten.

Hôtel de Soubise

Im Hôtel de Soubise untergebracht ist das Musée de l'Histoire de France, das sich der Geschichte Frankreichs widmet.

Zu den Themenschwerpunkten zählen die Entwicklung des französischen Königreiches und der unterschiedlichen monarchistischen Institutionen.

So lassen sich dort Schriftstücke wie die Testamente von König Ludwig XIV. und Kaiser Napoleon I. bewundern.

Ebenso vorhanden sind ein Schreiben des englischen Königs Richard Löwenherz, ein Brief von Johanna von Orleans, der letzte Brief von Marie-Antoinette sowie ihr Haftbefehl von Robespierre.

Rue des Rosiers

Als Hauptstraße des jüdischen Lebens im Marais gilt die Rue des Rosiers. Ihren Namen verdankt sie den Rosensträuchern, die in früherer Zeit die kleine Straße umgaben.

In der Rue des Rosiers gibt es allerlei jüdische gastronomische Einrichtungen wie Bäckereien, Metzgereien oder Restaurants, deren Waren allesamt koscher sind. Daher verfügen sie über ein Zertifikat des Großrabbiats von Paris.

In der Rue des Rosiers soll es zudem die besten Falafeln geben.

Geschichte des Marais

Im 13. Jahrhundert war die Region um den Marais eine einzige Sumpflandschaft, die sich außerhalb der Stadtgrenze befand.

Unter dem Orden der Templer-Ritter wurde der Sumpf trockengelegt.

Im 14. Jahrhundert errichteten die Pariser eine erweiterte Stadtmauer um den Marais herum, wodurch er Teil der französischen Hauptstadt wurde.

Sitz der Könige

Später diente der Marais sogar als Wohnsitz für die französischen Könige. In der heutigen Zeit erinnern Straßennamen wie Tournelles und Saint-Paul daran.

In den Tournelles verstarb König Heinrich II. (1519-1559) nach einer tödlichen Verwundung während eines Turniers. Katharina von Medici (1519-1589), seine Witwe, verließ daraufhin das Viertel und der Louvre wurde zum neuen Herrschersitz.

Weitere Entwicklung des Marais

Im Laufe der Jahrhunderte blühte der Marais weiter auf.

Im Jahr 1612 kam es zur Einweihung der Place des Vosges. Noch heute zählt der Platz zu den schönsten von Paris. Im Laufe der Zeit lebten dort Prominente wie Victor Hugo oder Isadora Duncan.

Der Platz symbolisiert den Übergang von einer mittelalterlichen zu einer modernen Stadt.

Blütezeit des Marais

Seine Blütezeit erlebte der Marais im 17. Jahrhundert. In dieser Epoche entstanden zahlreiche Hôtels, von denen auch heute noch viele vorhanden sind. Sie wurden auch Stadtpaläste genannt.

Einige von ihnen können besichtigt werden. Im Hôtel Carnavalet, das 1560 fertiggestellt wurde, befindet sich heute das Museum für Stadtgeschichte.

Im 1659 entstandenen Hôtel Salé ist seit 1985 das Picasso-Museum untergebracht.

Ab dem 18. Jahrhundert

Im späten 18. Jahrhundert ging es mit dem Marais jedoch bergab, weil der Adel durch die französische Revolution aus dem Stadtteil vertrieben wurde und dieser deswegen immer mehr verarmte.

Auch die Hausmannschen Bauarbeiten gingen an dem Viertel größtenteils vorüber, sodass die Bausubstanz der Gebäude immer maroder wurde.

Der architektonische Niedergang des Marais wurde erst ab 1962 durch den damaligen französischen Kulturminister André Malraux (1901-1976) gestoppt.

Jüdisches Leben im Marais

Im 19. Jahrhundert setzte sich die Bevölkerung des Marais vor allem aus kleinen Handwerkern und Arbeitern zusammen. Als es in Osteuropa zu Pogromen gegen die jüdische Bevölkerung kam, wanderten zahlreiche Juden nach Paris aus und siedelten sich im Quartier du Marais an.

Bereits im Mittelalter hatte es in dem Viertel eine jüdische Gemeinde gegeben. An der Rue Pavée sowie der Rue des Rosiers wurden zahlreiche jüdischen Einrichtungen erbaut wie zum Beispiel die Synagoge von Hector Guimard (1867-1942) aus dem Jahr 1913.

Auch die typisch jüdische Küche ist im Marais häufig zu finden.

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