Quartier Latin

Das Quartier Latin ist als Studentenviertel bekannt. Es verfügt über die größte Dichte an Bildungseinrichtungen in Paris. Im Quartier Latin finden sich aber auch viele Restaurants und Sehenswürdigkeiten.
Quartier Latin Paris
Der herrliche Jardin du Luxembourg im Quartier Latin ( © Vladimir Sazonov - Fotolia.com )

Das Pariser Quartier Latin

Der Name Quartier Latin bedeutet in deutscher Übersetzung „Lateinisches Viertel“. So sprachen die Gelehrten und Studenten in früheren Zeiten im Unterricht größtenteils Latein.

Auch heute lassen sich im Quartier Latin noch zahlreiche Bildungseinrichtungen finden, wie die Université de la Sorbonne.

Allerdings wird das Viertel in der heutigen Zeit kaum noch von Studenten bewohnt, weil die Mietpreise mittlerweile derart stark angestiegen sind, dass sie sich kaum noch finanzieren lassen.

Dafür lockt das Quartier Latin mit vielen Restaurants, Gaststätten und kleineren Geschäften sowie zahlreichen Sehenswürdigkeiten.

Geographische Lage des Quartier Latin

Zum größten Teil befindet sich das Quartier Latin im 5. Pariser Stadtbezirk, das auch als Arrondissement du Panthéon bekannt ist und am linken Seineufer liegt.

Der Großteil des Viertels ist an den Hängen der Montagne-Sainte-Geneviève angesiedelt. Allerdings verlaufen seine Grenzen ungenau.

Im Quartier Latin befinden sich noch Reste der Altstadt von Paris, bevor diese im 19. Jahrhundert umgestaltet wurde.

Die wichtigsten Sehenswürdigkeiten im Quartier Latin

Panthéon

Das Quartier Latin bietet seinen Besuchern eine stattliche Anzahl an Sehenswürdigkeiten. Eines der berühmtesten Bauwerke stellt zweifellos das Panthéon dar. Dieses kaum zu übersehende, imposante Mausoleum gilt als beliebter Treffpunkt für Einheimische und Besucher.

Das Panthéon befindet sich auf dem Hügel der heiligen Genoveva und war ursprünglich von König Ludwig XV. (1710-1774) als Kirche geplant worden. Nach der Fertigstellung des Baus im Jahre 1790 machten sie die Anführer der Französischen Revolution zu einer säkularen Gedenkstätte.

Später wurden dort bedeutende französische Persönlichkeiten verewigt. Im Untergeschoss des Gebäudes befinden sich Ehrengräber von bedeutenden Franzosen wie Voltaire, Mirabeau, Jean-Jacques Rousseau, Alexandre Dumas sowie Pierre und Marie Curie.

Sorbonne

Eine der ältesten Universitäten von Europa ist die Sorbonne. Ihre Gründung fand 1257 als Theologenschule statt.

Ihr Gründer war Robert von Sorbon (1201-1274), der als Hofkaplan des Königs fungierte und das Gebäude armen Theologiestudenten zur Verfügung stellte.

Im Laufe der Zeit erwarb die Sorbonne einen immer besseren Ruf. Zu den bekanntesten Studenten der Universität zählten Thomas von Aquin, Françoise Sagan, Simone de Beauvoir und Marie Curie.

Musée du Moyen Âge

Als Mittelaltermuseum bekannt ist das Musée du Moyen Âge, dessen Schwerpunkt auf der mittelalterlichen Kunst ruht.

Es setzt sich aus den gallorömischen Thermen des 1. Jahrhunderts sowie dem aus dem 15. Jahrhundert stammenden Hôtel des Abbés de Cluny zusammen.

In dem Museum können u. a. Wandbehänge, Elfenbeinkunst, Skulpturen, Gemälde und Glasfenster aus aller Welt bewundert werden.

Arena von Lutetia

Eines der ältesten noch erhaltenen Pariser Bauwerke im Quartier Latin ist die Arena von Lutetia (Arènes de Lutèce).

Das römische Amphitheater aus dem 1. und 2. Jahrhundert n. Chr. stammt aus der gallorömischen Epoche und befindet sich in der Rue Monge.

Zu besichtigen sind die noch gut erhaltenen Reste der Bühne sowie der Schauspielerlogen.

Jardin du Luxembourg

Ebenfalls Teil des Quartier Latin ist der ehemalige königliche Luxemburggarten. Er umfasst eine Fläche von 26 Hektar und ist Teil des Palais du Luxembourg, das dem französischen Senat als Tagungssitz dient.

Überaus beliebt ist der Jardin du Luxembourg sowohl bei den Studenten als auch bei den Pariser Familien und Joggern, da sie dort viele Freizeit- und Sportmöglichkeiten vorfinden.

Für kleinere Kinder gibt es ein Kasperletheater.

Geführte Touren durch das Quartier Latin

Saint-Étienne-du-Mont

Auf dem Hügel der heiligen Genoveva befindet sich die Pfarrkirche Saint-Étienne-du-Mont.

Sie grenzt an das Panthéon und gilt als Architekturjuwel der französischen Hauptstadt.

Geweiht wurde die Kirche im Jahr 1626. Bekannt ist sie vor allem wegen ihrer Achse zwischen Haupt- und Querschiff sowie der Kanzel, die als barockes Meisterwerk gilt.

Ménagerie du Jardin des Plantes

Eine weitere Sehenswürdigkeit bietet die Ménagerie, die im Jardin des Plantes untergebracht ist.

Die Ménagerie stellt den ältesten Zoo von Paris dar und verfügt über ein umfangreiches Tierleben.

Vor allem für Familien mit Kindern lohnt sich ein Besuch.

Musée national d'histoire naturelle

Für Freunde der Naturkunde ist ein Besuch im Musée national d'histoire naturelle zu empfehlen.

Das Museum verfügt über eine integrierte Bildungseinrichtung und Forschungsstation.

Den Besucher erwarten dort Ausstellungen über die Grundlagenforschung, die angewandte Forschung sowie die Konservierung.

Für Kinder eignet sich auch die Galerie de l'Évolution.

Café Le Départ

Wer gerne beobachtet, was auf der Straße vor sich geht, ist im Cafe Le Départ gut aufgehoben.

Es liegt in der Nähe der Metrostation Saint-Michel und ermöglicht einen interessanten Ausblick auf den Brunnen von Saint-Michel sowie die Quais de la Seine.

Théâtre National de l'Odéon

Für Theaterfreunde empfiehlt sich ein Besuch des Théâtre National de l'Odéon.

Das Staatstheater wurde 1779 auf Beschluss von König Ludwig XVI. (1754-1793) im Quartier Latin errichtet und 1792 eingeweiht.

In der Gegenwart legt es seinen Schwerpunkt auf das europäische Theater.

2006 wurde das Theater umfangreich restauriert und neu eröffnet.

Rue Mouffetard

Die Rue Mouffetard zählt zu den bekanntesten Sehenswürdigkeiten von Paris.

Sie eine der ältesten Straßen der französischen Hauptstadt und befindet sich zwischen der südlich gelegenen Rue Censier sowie der nördlichen Place de la Contrescarpe.

Der Besucher findet in der Rue Mouffetard viele Häuser vor, die aus der Zeit des 16. bis 18. Jahrhunderts stammen.

Darüber hinaus handelt es sich um eine beliebte Fußgängerzone mit einem Markt, der mit seinem reichhaltigen Angebot punktet. So kommen dort vor allem Fans von Käse, Fleisch, Fisch, Gemüse und Gewürzen auf ihre Kosten.

In den Abendstunden laden zahlreiche behagliche Restaurants, Cafés oder Bars zu einem Besuch ein. Zu den Besonderheiten zählen die Fondue- und Raclette-Restaurants mit ihren delikaten Spezialitäten.

Rue de la Harpe

Ebenfalls zu einem Abstecher ein lädt die Rue de la Harpe, die zwischen dem Quartier Latin und der Seine angesiedelt ist.

Die Gassen sind dort derart klein, dass sie sich mit einem Auto nicht mehr durchqueren lassen.

In der Rue de la Harpe sowie der Rue de la Huchette gibt es eine Vielzahl an kleinen Geschäften. Interessierte können dort nach Postern, Postkarten oder Kunstdrucken stöbern.

Am Abend hat der Besucher die Qual der Wahl zwischen zahlreichen unterschiedlichen Gaststätten.

Aufgrund ihres besonderen Charmes ist die Rue de la Harpe immer wieder Anziehungspunkt für viele Menschen.

Buchläden im Quartier Latin

Besonders interessant ist das Quartier Latin für Liebhaber von Büchern. So gibt es dort viele Buchläden, zu deren bekanntesten "Gibert Jeune" am Place Saint-Michel zählt.

In der 37 rue de la Bûcherie werden auch englische Bücher im "Shakespeare and Company"-Buchladen angeboten.

Île de la Cité und Île Saint-Louis

Auf der Nordseite des Quartier Latin sind die beiden Inseln Île de la Cité und Île Saint-Louis, die die kleinste Pariser Insel darstellt, zu finden.

Dort können Sehenswürdigkeiten wie die Sainte-Chapelle sowie die berühmte Kathedrale Notre-Dame, die jährlich ca. 14 Millionen Menschen besuchen, bestaunt werden.

Bekanntheit erlangte die Kathedrale durch Victor-Hugo-Romane sowie den Spielfilm „Der Glöckner von Notre-Dame“.

Außerdem finden sich dort Herrenhäuser aus dem 17. und 18. Jahrhundert.

Geschichte des Quartier Latin

Geprägt wurde das Quartier Latin seit seiner Entstehung vorwiegend durch Kirchen und Universitäten.

Von Frankenkönig Chlodwig I. soll auf dem Gelände des Viertels bereits im 6. Jahrhundert ein Heiligtum errichtet worden sein. Im Laufe der Zeit ging daraus die Abtei „Sainte-Geneviève“ hervor.

Im 12. Jahrhundert entstand mit Sankt Viktor eine weitere Abtei. Dabei bildeten sich um die Abteien herum verschiedene religiöse Gemeinschaften.

Im Jahr 1215 wurden der Universität vom Gesandten des Papstes spezielle Statuten auferlegt. So musste in der Universität Latein gesprochen werden, weil auch die Kirche diese Sprache verwendete.

Ab 1250 entstanden im Quartier Latin mehr als 60 Kollegien. Von ihnen erhielten über 700 sogenannte Scholaren Unterkunft und Verpflegung.

Vor allem die Universität Sorbonne erlangte Berühmtheit.

In den folgenden Jahrhunderten wurden in dem Viertel viele neue Bildungsanstalten ins Leben gerufen.

Umgestaltung des Studentenviertels

Durch den Pariser Präfekten Georges-Eugène Haussmann (1809-1891) erfolgte ab 1850 eine komplette Neugestaltung des Quartier Latin.

Dazu gehörten vor allem Straßendurchbrüche für gerade verlaufende Avenuen, die von Gebäuden und Bäumen umgeben wurden. Auf diese Weise kam es zu einer Verbindung der wichtigsten Punkte von Paris.

Im Zuge der Bauarbeiten entstand auch der Sankt-Michaels-Brunnen. Geschmückt wurde der Brunnen ab 1860 mit einer Statue des Drachentöters Michael.

Weitere Entwicklung des Quartier Latin bis heute

Das Quartier Latin diente als Wohnort vieler berühmter Schriftsteller wie Honoré de Balzac (1799-1850) oder Klaus Mann (1906-1949), die sich von dem Viertel inspirieren ließen.

Im Jahr 1968 wurde das Quartier zum Schauplatz der Studentenunruhen.

In der heutigen Zeit prägen vor allem die Gastronomie und der Tourismus das Quartier Latin. Dennoch gilt es noch immer als intellektuelle Stätte und beherbergt viele bedeutende akademische Einrichtungen.

Aufgrund der teuren Mieten wohnen nur noch wenige Studenten in dem einstigen Studentenviertel. Die meisten, die sich dennoch für das Wohnen im Quartier Latin entscheiden, leben in ehemaligen Zimmern für Dienstmädchen.

Zu den bekanntesten modernen akademischen Institutionen gehören die Mines Paris Tech für Ingenieure sowie die Hochschule École normale supérieure (ENS Paris).

Außerdem sind dort bekannte Gymnasien wie "Louis le Grand" und "Henri IV" angesiedelt, in denen die Schüler sich für die Aufnahmeprüfungen an Elitehochschulen vorbereiten.

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