Kathedrale Notre-Dame de Paris

Notre-Dame de Paris

Kathedrale Notre-Dame
Bis zu 10.000 Besucher finden Platz in der Kirche ( © DW )

Notre-Dame de Paris – auf Deutsch „Unsere Liebe Frau von Paris“ - ist wohl eine der wichtigsten und bekanntesten Kathedralen in ganz Europa. Ihre mächtige Silhouette prägt das gesamte Viertel auf der Île de la Cité im Zentrum von Paris.

Notre-Dame ist eine der beliebtesten Sehenswürdigkeiten jeder Stadtrundfahrt und wird Jahr für Jahr von rund 14 Millionen Reisenden aus dem In- und Ausland besucht.

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Eine beeindruckende Kirche auf der „Stadtinsel“

Die römisch-katholische Kathedrale liegt im vierten Arrondissement an der Place Jean-Paul II in 75004 Paris. Die nächste Station der Métro trägt den Namen Cité, angefahren wird sie von der Linie M6. Wer mit dem RER kommt, wählt Saint-Michel – Notre-Dame oder Châtelet les Halles als Ausstieg.

Das vierte Arrondissement befindet sich direkt am rechten Ufer der Seine. Die Lage von Notre-Dame ist schon deshalb so einzigartig, weil sie auf einer Insel steht. Die Île de la Cité prägt mit der mächtigen Kathedrale im östlichen Teil das Stadtbild der Pariser Innenstadt, das selbst aus einiger Entfernung gut zu erkennen ist.

Bis heute gilt die Île de la Cité als das historische und das geografische Herz von Paris. Hier – so sagt es die Historie – liegt das Herz von Frankreichs Hauptstadt und vielleicht des ganzen Landes.

Hier ist die Geschichte Frankreichs verwurzelt

Im Lauf der Jahrhunderte war Notre-Dame immer wieder der Schauplatz von bedeutenden Ereignissen der französischen Geschichte. Hier hat sich Napoléon Bonaparte im Jahr 1804 selbst zum Kaiser der Franzosen gekrönt. Hier liegt der berühmte Kilomètre Zéro, der sogenannte Referenzpunkt, der für alle Entfernungsangaben in ganz Frankreich herangezogen wird. Die Entfernungen auf den Autobahnen des Landes geben an, wie weit der Referenzpunkt im Zentrum von Paris entfernt ist. Und auch der „Glöckner von Notre-Dame“ in dem weltberühmten Schriftstück des Autors Victor Hugo fand hier sein Glück und sein Unglück zugleich, wie unzählige Filme und Musicals immer wieder in beeindruckender Art und Weise zeigen. Was also musst du zu Notre-Dame de Paris wissen, bevor du die wunderschöne Stadt an der Seine besuchst?

Was du zur Architektur wissen solltest

Notre-Dame ist eine römisch-katholische Kirche, sie gehört zum Erzbistum von Paris. Sie ist Maria, der Mutter Gottes, geweiht und trägt deshalb den Namen „Kirche Unserer Lieben Frau“. Architektonisch gehört sie zu den Gebäuden der frühen Gotik, gebaut wurde sie in ihrer ursprünglichen Form in der Zeit von 1163 bis 1345.

Die Hauptachse der Kirche läuft parallel zum linken Ufer der Seine. Die beiden Türme stehen symmetrisch angeordnet und werden aufgrund ihrer Ausrichtung nach Westen gerne als Westtürme bezeichnet. Beide Türme sind aus einem Naturstein gefertigt, sie messen in der Höhe beeindruckende 69 Meter. Insgesamt 422 Stufen führen hinauf, und wenn du sie geschafft hast, wirst du mit einem spektakulären Blick über Paris belohnt. Ganz oben angekommen, hast du Gelegenheit zu einem kleinen Rundgang. Spätestens jetzt fühlst du dich vermutlich ein wenig in das Paris von Victor Hugo versetzt. Betrachte zum Beispiel die Wasserspeicher und die riesigen Kirchenglocken. Die Wege, die entlang der Türme führen, sind zum Teil recht eng und mit Netzen und Gittern sehr gut gesichert. Bis zum Jahr 2012 läuteten in Notre-Dame insgesamt fünf Glocken. Im Jahr 2013 wurden sie gegen ein Geläut mit 10 Glocken ausgetauscht.

Riesige Rosetten beleuchten den Innenraum

Das Innere der Kathedrale ist nicht weniger beeindruckend als das Äußere. Das Kirchenschiff im Inneren mutet mit seinen enormen Abmessungen riesig an, es ist rund 130 Meter lang, 35 Meter hoch und 48 Meter breit. Für eine Großveranstaltung könnten hier bis zu 10.000 Menschen Platz finden. Im mittleren Bereich der Kathedrale befindet sich ein schlanker Vierungsturm, er hat eine Höhe von rund 93 Metern und überragt damit die beiden Westtürme deutlich.

An den Fenstern der Kirche siehst du Mosaike von enormen Ausmaßen. Sie tauchen das Innere in ein buntes Licht. Die Fensterrose in den westlichen Türmen darf für sich in Anspruch nehmen, mit ihrem Durchmesser von 12 Metern das größte Fenster dieser Art in ganz Europa zu sein. Wenn du einmal die Gelegenheit hattest, dieses Fenster mit seinen enormen Abmessungen zu betrachten, kommst du dir als Mensch daneben unglaublich winzig vor. Die riesigen Fensterrosen tauchen das Innere der Kathedrale in ein lilafarbenes, goldenes und rotes Licht, das einen fast mystischen Eindruck hinterlässt. Insgesamt gibt es drei große Fensterrosetten. Die Rosette hinter der Orgel ist leider nicht so gut zu erkennen. Dafür entschädigt der Blick auf die beiden anderen Rosetten, er wird freigegeben, sobald du das Querschiff der Kirche erreichst.

Die Orgel der Kirche ist ein weiteres Highlight, das du nicht verpassen solltest. Du siehst sie sehr schön, wenn du etwa die Hälfte des Weges im Inneren des Kirchenschiffs gegangen bist. Drehe dich einmal um und schaue dir die riesige Orgel der Kathedrale an. Sie steht genau unter einer der Rosetten, die dadurch leicht verdeckt ist. Das Instrument ist über 700 Jahre alt und ist zum großen Teil noch im Originalzustand erhalten. Sehenswert ist auch die kleine Ausstellung, die sich im hinteren Teil befindet. In hübschen 3D-Diagrammen erfährst du etwas mehr über die verschiedensten Phasen, in denen die Kathedrale erbaut wurde. Wenn du dein Wissen über die Romantik und die Gotik ein wenig ausbauen willst, sind sie dazu optimal geeignet.

Direkt rechts am Querschiff findest du übrigens auch den „Schatz von Notre-Dame“. Hier befindet sich der Eingang zum Tresor, in dem verschiedene Reliquien aus den letzten Jahrhunderten ausgestellt sind. Dazu gehören zum Beispiel wertvolle Vasen, alte Bücher und mehrere Zepter von Krönungen der französischen Könige.

Die Französische Revolution hat im Jahr 1793 ihre Spuren in ganz Paris und natürlich auch in Notre-Dame hinterlassen. Der Innenraum wurde im Zuge der Auseinandersetzungen stark beschädigt. Trotzdem nahm der französische Schriftsteller Victor Hugo im Jahr 1831 die riesige Kirche als Schauplatz seines Romans „Der Glöckner von Notre-Dame“. So ins Rampenlicht gerückt, dauerte es nicht lange, bis die Verantwortlichen eine umfangreiche Modernisierung beschlossen. Im Jahr 1844 wurde die Kirche schließlich umfassend restauriert. Diese Restaurierung sollte rund 20 Jahre dauern und brachte das Gotteshaus von innen und außen in einen Zustand, nach dem eine erneute Renovierung im großen Stil erst im Jahr 2019 wieder notwendig sein sollte. Im Zuge dieser Restaurierung wurden auch einige Gräber in der Grabkammer der Erzbischöfe freigelegt.

Notre-Dame ist ein Synonym für die Geschichte Frankreichs

Im Lauf der Jahrhunderte war Notre-Dame immer wieder der Schauplatz für weltbewegende Ereignisse, die das historische Frankreich und ganz Europa prägten. Man sagt, die Geschichte von Notre-Dame ist das Spiegelbild der Geschichte Frankreichs, und dieser Vergleich ist nicht ganz abwegig.

Allein die Liste der wichtigsten Beisetzungen in Notre-Dame ist beeindruckend. Die erste Beisetzung ist auf das Jahr 1161 datiert. Nicht weniger erstaunlich sind die Krönungen und die Trauungen, die im Lauf der Jahrhunderte hier stattfanden. Traditionell wurden die Könige Frankreichs in der Kathedrale zu Reims in den Stand des Königs gehoben. Doch im Jahr 1431 entschied der damals zehn Jahre alte König Heinrich VI. von England, sich im Hundertjährigen Krieg in Notre-Dame zum König der Franzosen krönen zu lassen. Er könnte so etwas wie ein Vorbild für Napoléon Bonaparte gewesen sein. Im Beisein von Papst Pius VII. setzte sich Napoléon am 02. Dezember des Jahres 1804 selbst die Krone des Kaisers der Franzosen auf. Zur Kaiserin krönte er seine Frau Joséphine. Diese Krönung dürfte wohl die bedeutendste in der gesamten Geschichte Frankreichs gewesen sein.

Nicht weniger interessant liest sich die Liste der wichtigsten Trauungen. Im Jahr 1558 wurde hier zum Beispiel Maria Stuart in ihren jungen Jahren mit ihrem Mann Franz II. getraut. Der spätere König Heinrich IV. ging hier im Jahr 1572 die Ehe ein mit Margarete von Valois. Allerdings wurde die Segnung dieser Ehe unter dem Portal durchgeführt. Der Bräutigam gehörte nicht der Katholischen Kirche an und weigerte sich, dieser beizutreten. Deshalb durfte er auch nicht an der Brautmesse zu seiner eigenen Hochzeit teilnehmen, die im Innenraum der Kirche abgehalten wurde. Von den Magistraten der Stadt wurde diese gemischt-konfessionelle Ehe übrigens grundlegend abgelehnt, sie blieben der Trauung vollzählig fern.

Neben Bestattungen, Krönungen und Trauungen wurden weitere nationale Großereignisse in Notre-Dame begangen. Im Jahr 1455 wurde in Notre-Dame der Revisionsprozess für Johanna von Orléans eröffnet. In 1789 – dem Jahr der Französischen Revolution – wurde der Sturm auf die Bastille am 15. Juli mit einem Gottesdienst gefeiert. Auch im 20. Jahrhundert war Notre-Dame wiederholt Schauplatz für nationale und internationale Veranstaltungen. Am 17. November 1918 kam es hier zu einem Staatsakt zum Ende des Ersten Weltkriegs. 1944 konnte die Kathedrale vor der Sprengung durch die Truppen der deutschen Wehrmacht geschützt werden. Verantwortlich dafür zeichnete General Dietrich von Choltitz. Schon am 26. August des gleichen Jahres fand hier eine große Feier aufgrund der Befreiung von Paris statt. Im Jahr 1945 wurde der 9. Mai in Notre-Dame mit einem Staatsakt begangen, um das Ende des Zweiten Weltkriegs zu feiern. Für die Präsidenten Charles de Gaulle und François Mitterand wurden die nationalen Trauerfeierlichkeiten im Jahr 1970 und in 1996 in der Kathedrale abgehalten. In 2009 fand ein ökumenischer Gottesdienst zu Ehren der Opfer des abgestürzten Air-France-Flugs 447 statt. 2013 war Notre-Dame hingegen Schauplatz eines öffentlichen Suizids, als der französische Essayist Dominique Venner gegen die Einführung der gleichgeschlechtlichen Ehe protestierte. Die Opfer der Terroranschläge vom 13. November 2015 wurden im gleichen Jahr mit einem Gottesdienst in Notre-Dame geehrt.

Umfassende Renovierung mit katastrophalen Folgen

Als einstiges Aushängeschild ist Notre-Dame seit jeher der Anziehungspunkt für unzählige Reisende aus dem In- und Ausland, die ihren Weg nach Paris finden. Doch im Lauf der Jahrzehnte hat sich der äußere Zustand der Kathedrale immer weiter verschlechtert. Deshalb sollte in der Zeit von 2019 bis 2022 eine umfassende Restaurierung der Kirche stattfinden. Mit diesen Arbeiten zur Instandsetzung wurde im April 2019 begonnen.

Am 15. April 2019 wurde Notre-Dame im Zuge dieser Renovierungsarbeiten Opfer eines verheerenden Brandes. Nahezu der gesamte Dachstuhl aus seinem wertvollen Eichenholz und ein großer Teil des Inneren wurden zerstört, der schlanke Vierungsturm hielt dem Feuer nicht stand und stürzte ein. Der Großbrand konnte erst am Folgetag gelöscht werden, selbst das Gewölbe im Hauptschiff wurde an einigen Stellen beschädigt. Es ist nur dem schnellen und umsichtigen Einsatz vieler Helfer zu verdanken, dass eine große Zahl der Kunstschätze und der Reliquien gerettet werden konnte.

Die Kirche ist vorerst für Besuche geschlossen. Für eine erneute Öffnung wird eine Reihe von Arbeiten nötig sein. Der französische Präsident Emmanuel Macron hat noch am Abend des 15. April angekündigt, dass die Kathedrale so schnell wie möglich wieder aufgebaut werden soll. Als zeitlichen Horizont nannte er einen Zeitraum von fünf Jahren. Innerhalb kurzer Zeit konnte eine hohe Summe an Spendengeldern eingesammelt werden, um den Wiederaufbau der beeindruckenden Kathedrale zu finanzieren.

Reiseinfos
Adresse

Notre-Dame de Paris
6 Parvis Notre-Dame - Pl. Jean-Paul II
75004 Paris
Frankreich

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