Panthéon

Panthéon

Panthéon Paris
Das Panthéon in Paris wurde im 18. Jahrhundert erbaut ( © pxlsjpeg - Fotolia.com )

Im fünften Pariser Arrondissement, dem ältesten der zwanzig Stadtbezirke, welcher noch auf das zur antiken Römerzeit errichtete Lutetia zurückreicht, befindet sich das Panthéon.

Die Ruhmeshalle der französischen Nation thront auf der natürlichen Erhebung des Sainte-Geneviève und kann sich durchaus mit ähnlich prächtigen Bauten wie der St. Paul’s Cathedral in London oder dem Petersdom in Rom messen.

Le Panthéon - das Versprechen eines Königs

Schon früh war die Gegend der Montagne Sainte-Geneviève eine heilige Stätte.

Bereits seit dem 5. Jahrhundert stand hier eine erste christliche Basilika, deren Bau von König Chlodwig veranlasst wurde.

Die neue Kirche diente als letzte Ruhestätte von Genoveva, der Schutzpatronin von Paris, welche die Stadt vor dem Einzug der Barbaren bewahrt hatte.

Unter der geweihten Schutzherrschaft der Apostel Paulus und Petrus fanden hier auch der König und seine Gemahlin Crodechild ihre Grabstätte.

Die Verantwortung für die heiligen Reliquien wurde nachfolgend dem Orden der Genovevianer anvertraut und im 9. Jahrhundert erfolgte die Namensänderung in Sainte-Geneviève.

In der Mitte des 12. Jahrhunderts war es der Kirchenfürst Suger von Saint-Denis, der an gleicher Stelle eine Ordensgemeinschaft begründete und die alte Kirche durch einen Neubau ersetzen ließ.

Im Laufe der Jahrhunderte verfiel das Gebäude, obwohl seit dem Jahr 1634 Sainte-Geneviève als das Mutterhaus aller französischen Stifte im Ordensverband galt.

Die Genovevianer drängten auf den Neubau einer prachtvollen Kirche, um der Bedeutung der Schutzheiligen wieder einen angemessenen Wert zu verschaffen.

Reichtum und Macht sollten in Form einer römischen Basilika nach außen getragen werden, doch es sollten noch Jahre vergehen, bis ihr Ansinnen Berücksichtigung fand.

Im Jahr 1744 erkrankte König Ludwig XV. auf einer Inlandsreise.

Mit dem Tode ringend betete er in Metz zur Heiligen Genoveva und versprach ihr im Falle der Genesung einen prächtigen Kirchenbau auf dem geschichtsträchtigen Pariser Hügel zu errichten.

Der König wurde gesund und hielt sein Versprechen. Im Jahr 1755 beauftragte er den Architekten Jacques-Germain Soufflot mit dem ehrgeizigen Projekt.

Für den König ging es auch darum, ein gesellschaftliches und politisches Zeichen zu setzen.

Die zu Teilen gespaltene Kirche und die unmittelbare Nähe des neuen Bauvorhabens zu den Anhängern der Jansenisten, einer Glaubensideologie, die auf Vorhersehung und Gnade beruht, sollte das Ansehen der Christengemeinschaft wiederherstellen.

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Das Panthéon als Meisterwerk architektonischer Stilsynthese

Architekt Soufflot war bis dato recht unbekannt, doch er besaß gute Kontakte zum Marquis de Marigny, der als Generaldirektor für die königlichen Bauten zuständig war.

Der Marquis war außerdem der Bruder von der weltberühmten Madame Pompadour, der Geliebten des Königs, die einen enormen Einfluss hatte.

Soufflot konnte den Entwurf eines riesigen Kirchenbaus in Form eines griechischen Kreuzes beim König durchsetzen.

Im Grundriss lehnten die Planungen an Stilelemente des Byzantinischen Reiches an.

Im Jahr 1757 begannen die Arbeiten an den Grundmauern, die aufgrund der Bodengegebenheiten auf dem Hügel der Heiligen Genoveva fast drei Jahre andauerten.

Über den Fundamentspfeilern der neuen Basilika ließ Soufflot eine gewaltige Krypta anlegen. Diese Unterkirche dehnt sich über die gesamte Fläche des Gebäudes aus.

Hiermit und mit anderen architektonischen, experimentellen Projektanleihen, läutet Soufflot eine neue Ära im Sinne des Zeitalters der Aufklärung ein.

Die neue Kirche ist eine Stilsynthese. Der Architekt bedient sich der Antike und verwirklicht die typische Tempelform mit Säulen.

Ornamentordnungen mit toskanischen oder korinthischen Zügen unterstützen den zentralen Bau in Kreuzform.

Gotisch strukturierte Rund- und Strebebögen zeichnen systematische Leichtigkeit auf die Außenansicht.

Die Renaissance ist das große Vorbild für die gigantische Kuppel.

Der ursprüngliche Entwurf sah die Schaffung eines monumentalen Platzes vor. Hier sollten sich die neuen Gebäude der theologischen und juristischen Fakultät harmonisch in die Ansicht der Basilika einfügen.

Um den Sakralbau mit reichlich Licht zu durchfluten, setzt Soufflot 45 übergroße Fenster in das Gebäude ein.

1780 stirbt der Baumeister, und seine Schüler Maximilien Brébion und Jean-Baptiste Rondelet müssen Kuppel und Bau vollenden, indem sie auch neue Techniken zum Einsatz bringen.

Von der Geschichte eingeholt

Architekt, König und Kirche erlebten die eigentliche Bestimmung der neuen Basilika nicht mehr, da der Lauf der Geschichte sie bereits überholt hatte: die Französische Revolution.

1789 ergriff ein neuer Zeitgeist den europäischen Kontinent.

Die verfassungsgebende Nationalversammlung erklärt den Neubau zum Tempel und zur Ruhestätte würdiger Volksvertreter.

Etliche der Fenster wurden zugemauert, um den Charakter einer Grabstätte zu unterstreichen.

Das Panthéon war erster Ruheort für den Grafen von Mirabeau, einem Anführer der Revolution, dessen sterbliche Überreste allerdings später wieder aus dem Gebäude entfernt wurden, als herauskam, dass er mit dem König gemeinsame Sache gemacht hatte.

Weitere verdiente Persönlichkeiten, die darauffolgend im Bauwerk beigesetzt wurden, waren die Aufklärer Voltaire und Rousseau sowie der Revolutionspolitiker Jean-Paul Marat.

Die Entweihung der Kirchenstätte im Sinne der Revolutionsarchitektur sagte nicht jedermann zu.

Kaiser Napoleon I. ordnete nach seiner Machtergreifung an, dass in der Krypta zwar weiterhin verdiente Staatsdiener eine letzte Ruhestätte erhalten könnten, das Hauptgebäude aber wieder für Gottesdienste zur Verfügung stehen müsse.

So erhielt das Gebäude noch zweimal im Laufe des 19. Jahrhunderts den Status einer Kirchenstätte zu Ehren der Heiligen Genoveva.

Das Panthéon als nationale Ruhmeshalle

Im Jahr 1885 starb mit dem Schriftsteller und politischen Publizisten Victor Hugo einer der größten Autoren.

Bei den Franzosen äußerst beliebt, vertrat eine große Mehrheit die Auffassung, dass Hugo nur die gigantische Basilika im Herzen des alten Paris als geeigneter letzter Ruheort dienen könne.

Seither ist das Panthéon die nationale Ruhmeshalle der Franzosen.

Ein „Ehrenbegräbnis“ innerhalb der historischen Mauern richtet sich nach Kriterien der jeweils amtierenden Regierung.

Politiker, Schriftsteller und Wissenschaftler finden ebenso Würdigung wie Widerstandskämpfer oder Vermittler gesellschaftlicher Werte.

So ist die Liste der Grabstätten im Untergeschoss der Ruhmeshalle inzwischen recht lang und liest sich wie ein „Who is Who“ der französischen Geschichte.

Wissenschaftlerin Marie Curie, Louis Braille, Erfinder der Blindenschrift, die Schriftsteller Alexandre Dumas und Emile Zola oder zuletzt die im Jahr 2017 verstorbene Politikerin Simone Veil sind nur einige Beispiele.

Napoleon Bonaparte hingegen ruht im Pariser Invalidendom und Staatsmann Charles de Gaulle auf einem Friedhof in der ländlichen Region von Grand Est.

Innenansichten des Panthéons

Der Eintritt in das monumentale Gebäude erfolgt durch die Säulenhalle der Westfassade, deren Struktur deutlich nach dem Vorbild in Rom gestaltet wurde.

Aufgrund der unterschiedlichen Nutzung wurde das Dreieck des Giebels mehrfach verändert.

Rechts und links weisen Skulpturen der Aufklärer Voltaire und Rousseau, geschaffen im Jahr 1837 durch den französischen Künstler David d’Angers, den Weg.

Der riesige innere Raum, das Kirchenschiff, wird nur durch Säulenreihen unterbrochen, von denen die Seitenschiffe abzweigen.

In der Mitte tragen vier hochaufschießende Säulen die Last der gewaltigen Kuppel, unter der sich auch die ältesten Fresken und Gemälde befinden.

Begonnen in der Kaiserzeit Napoleons, wurden sie in der Epoche der Restauration beendet.

Darunter das gigantische Kuppelgemälde nach Skizzierungen des Malers Antoine-Jean Gros, welches die Krönung der Heiligen Genoveva darstellt.

In der Apsis blicken die Besucher auf das Skulpturenwerk des Bildhauers Francois Sicard.

Die Darstellung „Nationalkonvent“ thront auf einem Sockel mit der Inschrift „Vivre libre ou mourir!“, was bedeutet „Lebe frei oder stirb!“.

Weitere Statuen und Skulpturen säumen die Vierung des Kirchenschiffs und verweisen auf Persönlichkeiten oder Gegebenheiten, die besondere Werte innerhalb der französischen Nation begründeten.

Auf der Bodenebene ist das weltberühmte Foucaultsche Pendel zu sehen.

Im südlichen Seitenschiff und im Chorraum sind Inschriften zu besonderen Berühmtheiten verewigt.

Beeindruckende Gemälde und Bilderreihen verweisen im Querschiff auf die christlichen Helden während der Zeit des Absolutismus hin zum Weg der neuen Republik.

Darunter die „Schlacht von Tolbiac“ des niederländisch-französischen Malers Ary Scheffer oder das Bildnis von Jeanne d’Arc auf dem Scheiterhaufen von Lenepveu.

Auf den Wänden des Hauptraumes wird der Lebensweg der Heiligen Genoveva dokumentiert.

Ein bekannter Künstler der 3. Republik war Pierre Puvis de Chavannes, dessen Bilderzyklus das Panthéon schmückt.

Weitere Szenen der Heiligen stammen vom Maler und Bildhauer Jean-Paul Laurens.

Krypta und Mystik

Da das gesamte Gebäude mit einem Untergeschoss versehen wurde, ist die Krypta im eigentlichen Sinne gar keine.

Dem staunenden Besucher stellt sich ein komplexes Gefüge aus Gängen und Kammern dar.

Ein mystischer Ort, welcher Spannung erzeugt, mitunter aber auch eine leichte Beklommenheit.

Direkt an der Treppe im Eingangsbereich ziert eine Urne in Herzform die Wand. Hier ruht Léon Gambetta, der Gründungsvater der 3. Republik.

In der Vorhalle stehen die Sarkophage der philosophischen Aufklärer.

Darauf folgt der innere Kreis, der von dicken Mauern umschlossen ist und von dem es weiter in die Seitenarme der Krypta sowie die angrenzenden Grüfte geht.

Die Ruhmeshalle der Franzosen ist inzwischen mehr als nur Touristenattraktion. Sie ist auch Treffpunkt der Kultur und Ort für wechselnde Veranstaltungen.

Es finden Ausstellungen zu unterschiedlichen Themen und sogar Konzerte statt.

Einer der Höhepunkte ist die Öffnung der hohen Empore, die einen fantastischen Ausblick über Paris bis weit hinter den Eiffelturm gewährt.

Nur zu bestimmten Zeiten im Jahr können Besucher die 206 Stufen erklimmen, um das einmalige 360-Grad-Panorama zu erleben.

Entdecke persönliche Favoriten und verborgene Schönheiten im monumentalen Bauwerk oder bestaune das Pendel des Physikers Foucault, welches auf simple Weise die Rotation der Erde belegte.

Restaurierungsarbeiten am Panthéon

Im Rahmen der Sanierung von Kuppel und Bausubstanz mussten in den letzten Jahren etliche Restaurierungsarbeiten an Gebäude vorgenommen werden.

Der französische Staat veranschlagte hierfür zunächst eine Investitionssumme von rund 100 Millionen Euro.

Mythos und Pathos für das Panthéon tat dieses keinen Abbruch und das architektonische Meisterwerk sollte in jedem Fall auf der Sightseeing-Liste eines jeden Parisbesuches stehen.

Erreichen kannst du die Sehenswürdigkeit im Zentrum des traditionellen „Quartier Latin“, dem Universitätsviertel, über die Métrostationen Maubert und Cardinal Lemoine der Linie 10, mit den Bussen der Linien 75 sowie 89, Haltestelle Panthéon oder mit dem Regionalexpress (RER), Station Luxembourg.

Reiseinfos
Adresse

Panthéon
Place du Panthéon
75005 Paris
Frankreich

48.846299, 2.346414

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