9. Pariser Arrondissement – Baron Haussmann und die Boulevards

Im 9. Pariser Arrondissement ist das Pariser Leben zu Hause, wie man es aus dem 19. Jahrhundert und dem frühen 20. Jahrhundert kennt. Allein schon aus der traditionellen Bezeichnung „Arrondissement de l`Opéra“ wird dieser Charakter deutlich. Weltbekannte Kaufhäuser prägen den Bezirk. Zudem befindet sich das berühmte Amüsierviertel mit dem Boulevard Clichy, dem Place de Pigalle oder dem „Moulin Rouge“ an der Grenze des 9. zum 18. Arrondissement.

Mit der Erweiterung der französischen Hauptstadt nach Norden schufen sich das Großbürgertum und die im 19. Jahrhundert reich gewordenen Industriellen einen "eigenen" Bezirk, von dem sich natürlich auch Banken oder bedeutende Institutionen angezogen fühlten. Durch die vorausschauende Stadtbaupolitik des Barons Haussmann entstanden hier breite, prachtvolle Boulevards, die auch heute noch den Verkehr aufnehmen können. Von der Stadtautobahn ist man schnell im 9. Arrondissement. Es liegt sozusagen "Rive Droite" auf halbem Wege zur Seine.

Durch den 9. Bezirk führen die Metrolinien 7 und 12. Dazu befindet sich der Bahnhof Saint-Lazare sehr nah im 8. Arrondissement, und östlich, im 10. Arrondissement, liegen die großen Bahnhöfe Gare de l`Est und Gare du Nord.

Das 9. Arrondissement besteht aus dem Quartier Saint-Georges, dem Quartier de la Chaussée-d`Antin, dem Quartier du Faubourg Montmartre und dem Quartier de Rochechouart. Von der Fläche (218 ha) und der Bevölkerungszahl (ca. 56.000 Einwohner) her ist das Gebiet absoluter Pariser Durchschnitt, aber der großbürgerliche Charakter hebt es natürlich deutlich von vielen Arrondissements ab.

Attraktionen im 9. Arrondissement

Um einen Eindruck davon zu bekommen, wie das gesellschaftliche Leben in diesem Pariser Stadtviertel ablief, gibt es zwei Möglichkeiten: Man begibt sich in das Musée de la Vie Romantique, in dem die Epoche liebevoll abgebildet ist, oder man genießt den Charme und den Luxus von heute in den berühmten Kaufhäusern Les Printemps oder Lafayette. Zum großzügigen Warenangebot bietet das Les Printemps noch eine riesige Glaskuppel aus der Belle Epoque.

Zu diesem Zeitgeist passt das wohl berühmteste Pariser Wachsfiguren-Kabinett Musée Grévin im Norden des Bezirks. Es existiert bereits seit 1882 und ist trotz der Erweiterung in jüngerer Zeit immer noch ein Geheimtipp für die Besucher der Stadt.

Nicht nur Profanbauten, auch der sakrale Bereich fallen im 9. Arrondissement prunkvoller aus als anderswo. La Trinité, die Dreifaltigkeitskirche von 1867 im Zentrum des Bezirks und Gemeinde mehrerer Erzbischöfe, gilt als eine der bekanntesten kirchlichen Bauten in Frankreich. Im 9. Arrondissement befindet sich auch die Große Synagoge von Paris. Sie ist fast 40 Meter hoch und bietet 1.800 Menschen Platz.

TOP Sehenswürdigkeiten im 9. Arrondissement

Mehr Informationen findest du unserer Liste aller Sehenswürdigkeiten im 9. Arrondissement.

Die Opéra Garnier – der Namensgeber für das Viertel

Prunkvoll wie der neue Stadtteil fiel auch die Oper aus, die 1875 eröffnet und nach ihrem Erbauer benannt wurde. Sie ist als gesellschaftliches Zentrum angelegt und in ihrer neobarocken Ausgestaltung so üppig, dass sie auch „Palais Garnier“ genannt wird. Skulpturen, vergoldete Büsten großer Komponisten. Kronleuchter und Wandschmuck machen aus dem Opernbau selbst ein Ereignis, ehe sich überhaupt der Vorhang hebt. Alles an diesem Bau ist so ausgelegt, dass es dem Repräsentationsbedürfnis des Großbürgertums in stilvoller Umgebung entsprach: mit einer riesigen Marmortreppe, einem runden Salon und einem voluminösen Zuschauerraum, der zwar im näheren Bühnenbereich die Einsicht verschlechtert, aber immer einen großartigen Blick auf die anderen Logen bietet. Bis 1989 war die Opéra Garnier von der Fläche her die größte Oper der Welt, ehe sie von einer Neueröffnung abgelöst wurde – der Opéra Bastille, dem zweiten Haus der Opéra National de Paris.

Zur Legende der Opéra Garnier hat sicher auch der Umstand beigetragen, dass sie als Originalstätte des „Phantoms der Oper“ gilt. Die Bauschwierigkeiten mit dem hohen Grundwasserspiegel hatten zu einem Labyrinth von unterirdischen Gängen geführt, in das keiner gern hinabstieg. Geheimnisvolle Geräusche während der ersten Aufführungen und das Abstürzen eines Kronleuchters im Jahre 1896, bei dem eine Concierge ums Leben kam, nährten einen Mythos, der schließlich selbst zu einem erfolgreichen Musical-Stoff wurde.