Nachtzug nach Paris – welche Möglichkeiten gibt es?

Wenn du heute mit dem Nachtzug nach Paris fahren möchtest, stellst du spätestens bei deiner Fahrplanrecherche fest, dass es die gewünschte Verbindung nicht gibt. Stattdessen setzt die Bahn von einigen deutschen Bahnhöfen aus über Nacht IC-Busse ein.
Nachtzug Paris
ICE und TGV im Bahnhof Paris Gare de l'Est ( Bartlomiej Banaszak / Deutsche Bahn AG )

Kein Nachtzug nach Paris

Es fahren aktuell also keine klassischen Nachtzüge nach Paris.

Die einzige Ausnahme ist ein dreimal je Woche verkehrender Nachtzug der russischen Bahngesellschaft RŽD, mit dem du von Berlin nach Paris reisen kannst.

Warum keine Nachtzüge mehr fahren

Die Deutsche Bahn AG hat die von ihr betriebenen Nachtzugverbindungen zum Fahrplanwechsel im Dezember 2015 zum größten Teil eingestellt und wird die wenigen noch verbliebenen Nachtzüge zum Fahrplanjahr 2016/2017 ebenfalls vom Netz nehmen. Der angegebene wirtschaftliche Grund lautet, dass die speziellen Schlafwagen und Liegewagen mit hohen Kosten verbunden seien. Zudem müssten alle entsprechenden Wagen erneuert oder zumindest überholt sowie modernisiert werden.

Nicht zum offiziellen Statement der Bahn gehört die Tatsache, dass im letzten Jahrhundert die Nachtzüge neben Passagieren auch Post und Gepäck beförderten und auf diese Weise einen Teil ihrer Kosten einspielten. Nachdem die Bahn aufgegebenes Reisegepäck nach der Abschaffung der klassischen Gepäckwagen zeitweise mit eigenen Lastwagen auf der Straße befördert hatte, übernimmt derzeit ein großer Paketdienst diese Aufgabe. Die früher ebenfalls im Gepäckwagen erfolgte Fahrradbeförderung veränderte das Unternehmen dahingehend, dass die Fahrgäste ihre Räder ohne Hilfe eines Schaffners selbst verladen. Zu diesem Zweck ließ sie sowohl alte Gepäckwagen umbauen als auch neue Fahrradwagen konstruieren. In modernen Zügen des Regionalverkehrs erfolgt die Fahrradmitnahme inzwischen in Mehrzweckräumen.

Weitere Gründe für die Einstellung der Nachtzugverbindungen sind Schnellfahrstrecken und preiswerte Flüge. Dank der enorm verkürzten Reisezeiten ist es heute aus weiten Teilen Deutschlands möglich, zu einem Termin morgens nach Paris anzureisen und abends zurückzufahren.

Welche Verkehrsmittel verkehren noch über Nacht auf der Schiene?

Dass keine klassischen Nachtzüge mehr fahren, bedeutet nicht, dass während der Nachtstunden überhaupt keine Züge mehr unterwegs sind. Momentan betreibt die Deutsche Bahn AG den Nachtverkehr mit IC-Zügen und ICE-Zügen. Diese verfügen ausschließlich über Sitzwagen. Zudem fahren Nachtfernzüge nur auf wenigen Strecken.

Du kannst somit eine gute Stunde vor Mitternacht in Hamburg in einen IC einsteigen und am frühen Vormittag in Dortmund oder Köln in einen Thalys umsteigen, sodass du am Vormittag in Paris eintriffst. Dabei nimmst du allerdings einen mehrstündigen Aufenthalt in Kauf und bist nur ausgeruht, wenn du sitzend schlafen kannst.

Echte Nachtverbindungen nach Paris bestehen auch mit Sitzwagenzügen derzeit nicht. Der IC-Bus stellt eine Alternative für die Fahrt aus Deutschland nach Paris dar, die Reisezeit ist jedoch ebenso wie der Reisekomfort mit anderen Fernbussen und nicht mit dem Schienenverkehr vergleichbar.

Wird es wieder Nachtzüge nach Paris geben?

Die ÖBB planen, einen Teil der von der DB aufgegebenen Nachtzugverbindungen zu übernehmen. Eine Nachtverbindung nach Paris, deren Laufweg über München führen würde, bieten sie zurzeit jedoch nicht an.

Die Deutsche Bahn AG möchte die Anzahl der während der Nachtstunden verkehrenden ICE- und IC-Züge erhöhen. Genaue Planungen liegen ebenfalls nicht vor.

Grundsätzlich erfolgt die Trassenanmeldung für regelmäßige Verkehre alle fünf Jahre für einen entsprechend langen Zeitraum. Dieses System schließt nicht aus, dass bei freien Kapazitäten einzelne Trassen nachträglich gebucht werden, was in erster Linie den Einsatz von Sonderzügen und Verstärkungsfahrten ermöglicht.

Grundsätzlich denkbar ist ebenfalls, dass Reiseveranstalter eigene Charter-Züge auf die Schiene setzen und eventuell vorhandene Restplätze frei verkaufen.

Als noch Nachtzüge nach Paris verkehrten

Der Nord-Express gehörte Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts zu den Luxuszügen und verband Russland über Deutschland mit Paris. Später veränderte sich sein Laufweg auf die Relation Kopenhagen-Paris über Hamburg und Köln.

Bis zum Dezember 2008 und erneut vom Dezember 2010 bis zum Fahrplanwechsel Ende 2014 fuhr der Zug zwischen Hamburg und Paris.

Während der 1980er und 1990er Jahre verfügte er außer über Schlaf- und Liegewagen auch über Sitzwagen, deren Kapazitäten an den meisten Tagen ausreichten, um zwei gegenüberliegende Sitze zu einer Liegefläche für einen Reisenden auszuklappen.

Nach der Abschaffung der Sitzwagen im Nord-Express führte die Bahn günstige Sleeper-Wagen ein. Das waren einfache Liegewagen, in denen die Fahrgäste wahlweise ohne Bettwäsche oder im eigenen Schlafsack übernachteten.

Auf anderen Linien bestand das Billigangebot in Liegesesseln, die ein vollständiges Hinlegen allerdings trotz ihres Namens nicht ermöglichten.

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