Die Wikinger und Paris

Die Wikinger attackierten im 9. Jahrhundert auch Paris. Sie waren auf Plünderung aus. Im Jahr 885 belagerten dänische Wikinger Paris für längere Zeit. Ihre Anführer hießen Siegfried und Rollo. Paris stand unter der Führung von Graf Odo.

Wikinger Paris
Die Belagerung Paris' durch die Normannen im Jahr 866 (Zeichnung aus dem 19. Jahrhundert)
Gemeinfrei

Wer waren die Wikinger?

Als Wikinger werden nordeuropäische Seefahrer bezeichnet, die zwischen 800 und 1050 in Westeuropa auftauchten und Plünderungen vornahmen. Der Begriff stammt vom Wort Viking ab, das in den skandinavischen Sprachen jede Art von Seereisen bezeichnet.

Die Wikinger bildeten keine Einheit, vielmehr unterschieden sich die Formationen norwegischer und schwedischer Seefahrer auf der einen Seite deutlich von denen der dänischen Plünderer auf der anderen Seite. Letztere setzten größere Verbände ein, während die Norweger und Schweden vorwiegend mit Einzelschiffen Plünderungen in Küstennähe durchführten.

Die ersten Angriffe der Wikinger auf Paris

Die Angriffe der Wikinger auf Paris begannen um das Jahr 845 und waren eine Folge der Schwächung des Frankenreiches infolge wiederholter Aufteilungen.

Graf Robert le Fort (Robert der Tapfere) ließ die Befestigungen der Stadt zunächst erfolgreich ausbauen, sodass die Wikingerheere von größeren Plünderungen abgehalten werden konnten. Er fiel im Juli 866 in der Schlacht von Brissarthe, die ebenfalls gegen die Wikinger ausgetragen wurde.

Du darfst dir Paris im neunten Jahrhundert nicht im heutige Umfang vorstellen. Vielmehr beschränkte sich das Stadtgebiet auf die Seine-Insel Île le da Cité, zu der lediglich zwei Brücken von den Flussufern führten. Die Gebiete auf beiden Uferseiten waren entweder nicht bewohnt oder bildeten von Paris unabhängige Gemeinden.

Die Belagerung von Paris

Zu einer längeren Belagerung der Stadt Paris durch dänische Wikinger kam es im Jahr 885. Das Heer ging an der Seine-Mündung an Land und forderte zunächst Tribut.

Nachdem Karl III. die Zahlungen abgelehnt hatte, machten sich die Seefahrer auf den Weg über die Seine nach Paris. Die Anzahl von 700 Schiffen und 30 000 Kämpfern ist vermutlich übertrieben, dennoch war der Umfang des dänischen Heeres beeindruckend. Seine Anführer waren Siegfried und Rollo.

Innerhalb der Stadt waren nur wenige hundert Adelige sowie die ihnen zur Seite stehenden Kämpfer anwesend. Graf von Paris war Odo, der Bruder Robert des Tapferen. Geistlicher Führer war Bischof Gauzlin. Kaiser Karl III. befand sich bei Beginn der Belagerung von Paris auf einem Feldzug in Italien.

Nach dem Eintreffen des Heeres vor Paris forderten die Wikinger zunächst hohe Tributzahlungen, die Graf Odo ablehnte. Hierauf schlossen die nordischen Seefahrer den Belagerungsring um Paris und begannen am 26. November 885 mit dem Beschuss der Stadt durch Pfeile sowie Steine.

Den ersten Versuch, Paris zu erstürmen, wehrten die Stadtverteidiger erfolgreich ab, indem sie siedendes Öl von der Stadtmauer auf die Angreifer gossen. Bei der nächsten Angriffswelle setzten die dänischen Wikinger Rammböcke ein, scheiterten jedoch erneut an der starken Verteidigung. Anschließend hoben die Dänen Gräben rund um die Stadt aus, in denen sich ein Teil des Heeres verschanzte. Eine weitere Teilgruppe der dänischen Wikinger führte Raubzüge im Umland von Paris auf den Seine-Ufern durch.

Der nächste Angriff erfolgte im Januar 886. Die Wikinger setzten drei ihrer eigenen Schiffe in Brand und ließen sie in Richtung einer der beiden Seine-Brücken treiben. Ihr Ziel war die Zerstörung der komplett aus Holz errichteten Brücke. Der Angriff misslang, da die Wikingerschiffe vor dem Erreichen ihres Zieles sanken.

Starke Regenfälle führten jedoch am 06. Februar 886 dazu, dass die Seine über ihre Ufer trat und dabei die südliche Brücke zerstörte. In der Folge konnten die Wikinger ohne Widerstand zu Plünderungen entlang der Seine aufbrechen.

Graf Odo gelang es, eine Nachricht an Karl III. zu senden, woraufhin dieser ein Heer zur Unterstützung der Stadtverteidiger auf den Weg schickte, dessen Befehlshaber Heinrich I. war. Die Nachricht vom bevorstehenden Eintreffen des Heeres bewirkte zunächst eine Verringerung der Kampfmoral der angreifenden Wikinger und alsbald die Trennung der von Siegfried und Rollo angeführten Teile des Heeres.

Während die von Siegfried befehligten Truppen abzogen, nachdem Graf Odo einer einmaligen Tributzahlung von dreißig Kilogramm Silber zugestimmt hatte, setzte Rollo die Belagerung der Stadt fort.

886 erschwerte sich die Situation der Verteidiger, da auf der Seine-Insel eine Seuche ausbrach, an deren Folgen auch Bischof Gauzlin am 16. April verstarb. Graf Odo verließ unbemerkt von den Angreifern die Stadt, um Kontakt mit Kaiser Karl III. aufzunehmen. Dieser befand sich ebenso wie Heinrich mit seinen Truppen bereits auf dem Weg in die Stadt.

Die Verzögerung der Ankunft Karls und den Tod Heinrichs nutzte Rollo für einen letzten Angriff seiner Wikinger auf Paris, den die Verteidiger erneut zurückschlagen konnten. Karl III. schloss das Wikingerheer ein. Er führte seine Truppen jedoch nicht in die Schlacht gegen die Belagerer, sondern erklärte sich zu Verhandlungen bereit.

Als Ergebnis versprach er den Dänen die freie Fahrt auf der Seine und händigte ihnen zudem 350 Kilogramm Silber als Tributzahlung aus. Graf Odo verweigerte den Wikingerschiffen jedoch entgegen dieser Vereinbarung weiterhin die Fahrt auf der Seine, woraufhin diese ihre Boote auf dem Landweg zur Marne transportierten.

Die Folgen der Belagerung

Karl III. wurde wegen seiner nachgiebigen Haltung gegenüber den dänischen Wikingern kritisiert und musste bereits 887 abdanken. Graf Odo hingegen gewann 888 die Wahl zum König des Westfrankenreiches.

Die Wikinger verringerten ihre Angriffe nach der weitgehend erfolglosen Belagerung der Stadt Paris und ließen sich an der Seine-Mündung nieder. Sie erhielten 911 die Normandie als Lehen, ihr Anführer Rollo wurde ein Jahr später zum Herzog ernannt.

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