Merkel und Hollande in der Euro-Krise

Schwieriger Start für Merkel und Hollande

Angela Merkel und François Hollande verkörpern Deutschland-Frankreich politisch: Aber auch Monate nach dem Amtsantritt des neuen französischen Präsidenten bleibt eine gewisse Distanz zwischen den beiden spürbar. In der Ära Merkozy wirkte das alles meist einfacher. Merkel und Sarkozy stammten aus demselben politischen Lager; ihre Auftritte wirkten überwiegend harmonisch. In Fragen der Euro-Krise schien es zwischen ihnen am Ende kaum Differenzen zu geben.

Merkel und Hollande hatten es dagegen anfangs schwer, eine gemeinsame Linie zu finden. Zu Beginn seiner Amtszeit schien es gar so, als wolle Hollande sich profilieren, indem er auf offenen Konfrontationskurs zur Kanzlerin ging. So wollte er etwa den Fiskalpakt neu verhandeln und durch eine Wachstumsagenda ergänzen. Auch in der Frage der Einführung von Eurobonds, die es laut Angela Merkel nicht geben werde, solange sie lebe, vertritt Hollande eine andere Meinung.

Gemeinsame Bemühungen um Harmonie

Inzwischen haben sich Merkel und Hollande aber etwas zusammengerauft und versuchen zumindest in der Öffentlichkeit, mehr Gemeinsamkeit zu demonstrieren. Beide haben sich dafür ausgesprochen, dass Griechenland Mitglied der Eurozone bleiben soll - wobei sich sowohl François Hollande als auch Angela Merkel gegen eine Aufweichung der Sparzielvorgaben für Griechenland wandten. Beobachter trauen dem französischen Präsidenten ein Umschwenken in dieser Frage aber durchaus zu. Und auch Angela Merkel hat schon manche Kehrtwende vollzogen. Hollande befürwortet inzwischen ein Europa der zwei Geschwindigkeiten und bilaterale Absprachen zwischen Deutschland und Frankreich darüber, wie in der Euro-Krise weiter verfahren werden soll. Eine Praxis, die er während seines Wahlkampfes noch abgelehnt hatte.

Weiter Differenzen in wichtigen Fragen

So ganz hundertprozentig scheint es mit der Harmonie aber noch nicht zu funktionieren. Aus Hollandes Sicht nimmt die Bundeskanzlerin zu viel Rücksicht auf innenpolitische Aspekte. Und kürzlich sprach sich Hollande erneut für die Vergesellschaftung von Schulden, im Klartext: die Einführung von Euro-Bonds aus. Dass der französische Präsident den Schulterschluss mit Südeuropa sucht, lässt sich vor allem mit dem starken Engagement französischer Banken in Ländern wie Portugal, Spanien und auch Griechenland erklären. Aber auch die im Vergleich zu Deutschland schwächere Wettbewerbsfähigkeit Frankreichs kann als Motiv Hollandes, die Wackelkandidaten in der Eurozone zu halten, angesehen werden. Denn einer aktuellen Studie der Bertelsmann-Stiftung zufolge müsste Frankreich wegen seiner schwächelnden Exportwirtschaft die Konkurrenz von Südländern mit eigener Währung mehr fürchten als sein exportstarker Nachbar im Osten.

Verfasst am Freitag, 8. März 2013
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