Typisch französisch - Vorurteile und Wahrheit über Frankreich

Was ist typisch französisch? Hier erfährst du es! Hier lernst du nicht nur die Wahrheit, hier lernst du die wahre, ja die wirklich wahre Wahrheit über die Franzosen. Ich speise dich nicht mit Vorurteilen ab; ich serviere sie dir à la française. Und wenn du brav zu Ende liest, wirst du Wahrheit und Froschschenkel endlich voll erfassen und verdauen.

Typisch französisch
Typischer Franzose, wie man ihm überall in Frankreich begegnet
© Ivonne Wierink - Fotolia.com

"Was typisch französisch ist, bestimme doch wohl noch ich selbst!" (Unbekannt)

Bevor ich dir aber die Wahrheit - übrigens in französisch vollendeter Unordnung - enthülle, lass mich dir noch sagen, dass ich selbst sieben Jahre in Frankreich gelebt habe. Meine wissenschaftliche Autorität ist also mindestens so groß wie die von Uli Wickert.

Oh là là, die Französinnen!

Das Wesentliche vorweg: Typisch französisch sind schöne Frauen. Die Inkarnation der schönen Französin ist Brigitte Bardot, also damals, als sie noch jung war. Jede zweite Französin sieht aus wie damals Brigitte Bardot, nur mit schwarzen Haaren. Die anderen pendeln ästhetisch zwischen Heidi Klum und Claudia Schiffer. Es gibt hässliche Franzosen; hässliche Französinnen gibt es nur in der schmutzigen Phantasie von Dantes 'Göttlicher Komödie', wenn überhaupt.

Monsieur le Flirtheld

Typisch französisch sind schlanke, genial flirtende Männer - allerdings mit Einschränkungen. Denn die Hälfte der Franzosen besteht bekanntlich aus gemütlich-dickbäuchigen Männern mit roter Nase, Weinglas und Baguette in der Hand. Und ein genialer Flirter ist der Franzose nur im Vergleich zum Deutschen - also relativ. Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass deutsche Frauen den Verführungskünsten französischer Männer schicksalhaft unterliegen müssen. Es ist nicht ihre Schuld.

Haute Couture und Todesstrafe

Frankreich ist das Kernland der Haute Couture und des mondänen Parfums. Typisch französisch ist es, in wohltuender Weise auf sein Äußeres zu achten. Darin unterscheiden sich Französinnen und Franzosen von jener teutonischen Spezies des Homo sapiens berlinensis, die den öffentlichen Raum mit ihren ältesten grauen Schlabbertrainingshosen beehrt. In Frankreich steht auf derartige Vergehen die Todesstrafe.

Arbeit, Streik und Urlaub

Wenn der Franzose nicht gerade flirtet, sich parfümiert oder seine Garderobe sortiert, streikt er oder bereitet seinen nächsten Urlaub vor - natürlich seinen nächsten Urlaub in Frankreich. Oder ist es schöner irgendwo anders? Typisch französisch ist es, jegliche Arbeit zu hassen. Mit dieser Mentalität ist Frankreich zur fünften Wirtschaftsmacht der Welt geworden.

Camembert, Baguette und Baskenmütze

Schon Kita-Kleinkinder müssen in Frankreich tonnenweise Baguette und Camembert essen, damit sie später zu guten Franzosen werden. In allen Schulen gilt Baskenmützenpflicht. Wer die Schule hinter sich hat und keinen Rotwein mag, verliert die Staatsbürgerschaft. Früh übt sich, wer typisch französisch werden will.

Paris und der Eiffelturm am Schlüsselbund

Typisch französisch ist der Eiffelturm. Eigentlich ist er typisch parisisch. Aber: Paris = Frankreich - Provinz. Oder: Frankreich = Paris + Provinz. Und wen interessiert die Provinz? Daher loben und preisen alle Franzosen den Eiffelturm. Er ist Frankreichs Totem. Napoleon ist tot, aber der Eiffelturm steht. Jeder Franzose hat einen kleinen Eiffelturm am Schlüsselbund baumeln. Und das ist auch gut so.

Sprache, Stolz und Nationalbewusstsein

Typisch französisch ist ein für deutsches Befinden sehr 'unverkrampftes' Verhältnis zur eigenen Nation. Das kommt daher, dass Vercingetorix damals Caesar furchtbar verprügelt hat. Außerdem Napoleon und Charles de Gaulle. Wer mehr Gründe braucht, um an die eigene Größe zu glauben, wird Frankreich nie verstehen. Deswegen lernen auch nur Angehörige einer 'Petite Nation' Fremdsprachen. Der Franzose erwartet, dass man Französisch spricht.

Liebesbriefe an den Atomenergieversorger

Jedes Wochenende setzt sich der Franzose an den Schreibtisch und verfasst einen Liebesbrief an seinen Atomenergieversorger, in dem er diesen ehrt und preist und bittet, neue Atomkraftwerke an der deutsch-französischen Grenze zu errichten. Atomenergie ist typisch französisch. Die Lust, Deutsche zu ärgern, ist es übrigens auch. Noch viel lieber ärgert der Franzose allerdings Engländer. Wenn er könnte, wie er wollte, hätte jedenfalls jeder Franzose sein persönliches AKW im Vorgarten.

Düfte und Farben der Provence

Typisch französisch sind Düfte und Farben der Provence. Sie durchwabern ganz Frankreich und hüllen selbst die Atommeiler in lauter Lieblichkeit. Ah, Lavendel! Deutsche Touristen riechen ihn noch in Nordfrankreich.

Rotwein und Rosé - Ça ne se discute pas!

Typisch französisch sind die besten Weine der Welt: Bordeaux-Rotweine, Rosé aus der Provence et ainsi de suite. Hier diskutiere ich auch nicht. Punkt.

Autos und ihre Stoßstangen

Typisch französisch ist ebenfalls, dass die Autoindustrie Frankreichs in der Welt nicht ganz das Renommee hat, das französische Weine genießen. Renault, Peugeot, Citroen vs. Mercedes, BMW, VW: nun ja... Weil dieser Umstand die Franzosen aggressiv macht, nutzen sie im Straßenverkehr Hupe und Stoßstange recht freizügig. Deutsch ist: ewiges Korrigieren in der Parklücke, französisch: bumm!

C'est la révolution!

Typisch französisch ist Revolution. Früh morgens revolutioniert in Frankreich bereits die Ehefrau. Die Kinder erkennen keinerlei Autorität an und streiken beim geringsten Anlass. Wenn die französischen Bauern mit dem Wetter unzufrieden sind, blockieren sie mit ihren Traktoren die Autobahnen. Nervige Chefs werden von den Angestellten kurzerhand gefeuert - manchmal im wahrsten Sinne, den das Wort haben könnte. Der gefährlichste Job in Frankreich ist: Staatspräsident. Keiner will den Job machen. Deswegen hat ihn jetzt François Hollande. Jeder Franzose hortet eine Guillotine in der Abstellkammer - für den Fall, dass sich wieder einmal ein König oder eine Schwiegermutter über ihn erheben könnte.

Pferdefleisch und Nouvelle Cuisine

Weil das ewige Revolutionieren durch den Magen geht, gibt es in Frankreich das beste Essen der Welt. Wusstest du, dass das „gastronomische Mahl der Franzosen“ in der Unesco-Weltkulturerbe-Liste figuriert? Jetzt weißt du's! Franzosen essen: Schnecken, Froschschenkel, Pferdefleisch... Gut, die Deutschen essen auch Pferdefleisch, aber unbewusst. Typisch französisch ist ferner die Nouvelle Cuisine. Sie würde exzellent schmecken, wenn es etwas gäbe. Aber das geniale Wesen der Nouvelle Cuisine ist es eben, nichts sehr teuer zu verkaufen. Das verstehen die übergewichtigen Deutschen nicht.

Savoir-vivre und Antidepressiva

Überhaupt: Typisch französisch ist das Savoir-vivre. Franzosen genießen das Leben in jeder Sekunde. Deswegen gibt es in Frankreich auch zahllose Alkoholiker, und die Ärzte verschreiben Antidepressiva um die Wette. Aber die französische Tourismusindustrie weiß, wie man das Land vermarktet, und so lebt man wie Gott in Frankreich.

Das kleine Café an der Straßenecke

Typisch französisch ist schließlich eine Infrastruktur, die zu fast 100 Prozent aus kleinen Cafés an der Straßenecke besteht. Dort glitzert immer die Sonne durch die Platanen. Und falls du ein Mann bist, sitzen an den Nebentischen nur junge, bildhübsche Französinnen, die alle mit dir flirten wollen, während sie Café au lait trinken. Falls du aber eine Frau bist, beugt sich Brad Pitt als Kellner zu dir persönlich herunter und fragt dich mit französischem Akzent, womit er dir eine Freude machen könnte. C'est la vie!

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Wahrheit! Froschschenkel!

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